Trekkingstöcke Guide und eine nachhaltige Empfehlung

Wanderer schaut in die Ferne und sitzt neben Rucksack und Trekkingstöcke - Guide

Lange Zeit war ich skeptisch gegenüber Trekkingstöcken. Wieso sollte ich diese sperrige Gehhilfe in Anspruch nehmen, wenn ich doch noch so jung und agil bin? Auf meiner Wanderung durch Deutschland hab ich im Schwarzwald zu spüren bekommen, dass auch junge Knie nicht unverwüstlich sind. Damit ich noch lange gut zu Fuß unterwegs sein kann, habe ich mich intensiv mit Trekkingstöcken beschäftigt und mir welche angeschafft. Und ich muss sagen: Es fühlt sich gut und richtig an. Im folgenden Guide über Trekkingstöcke möchte ich die häufigsten Fragen beantworten. 

Vor- und Nachteile

Was spricht für Trekkingstöcke?

  • Der wichtigste Punkt für mich: Die Knie werden geschont und Verletzungen vorgebeugt.
  • Durch die Energieverlagerung werden auch Beine, Füße und die Hüfte entlastet.
  • Netter Nebeneffekt: Der Oberkörper wird trainiert.
  • Die Rutschgefahr wird deutlich geringer, da man einen besseren Halt bekommt.
  • Ich habe festgestellt, dass ich mit Stöcken automatisch aufrechter gehe. Gerade bei drückendem, schwerem Gepäck kann das wichtig sein.
  • Mehrfachnutzung: Die Stöcke können für den Zelt-  oder Tarpaufbau genutzt werden. Viele Ultraleicht-Zelte sind so konzipiert und dadurch kann man das Gewicht der Stöcke beim Zelt wieder etwas kompensieren. Größe beachten: Oft werden 1,40 m Stocklänge gebraucht.
  • Beim Überqueren von Flüssen können Stöcke eine entscheidende Rolle spielen.

Was spricht gegen Trekkingstöcke?

  • Mehr Gewicht: Es kommen zwischen 300 und 600 g dazu.
  • Sie können in gewissen Situationen unpraktisch sein, da man nicht beide Hände frei hat. Ich fotografiere gerne und muss die Stöcke entweder zur Seite legen oder am Rucksack befestigen, wenn ich ein schönes Motiv vor mir habe. Wenn das lebendig ist, verliere ich Sekunden, die entscheidend sein können. 
  • Je nach Untergrund kann das Geräusch ganz schön nervig werden. Es gibt immerhin Schutzkappen aus Gummi, die das monotone Klackern dämpfen. 
  • Mit Trekkingstöcken bekommt man schnell ein Gefühl der absoluten Sicherheit. Hier darf man nicht den Fehler machen, sich zu überschätzen, gerade auf gefährlichem Gelände.
  • Der Gleichgewichtssinn kann geschwächt werden. Daher auch mal bewusst ohne laufen. So wie wir es gelernt haben, auf zwei Füßen, ganz ohne Hilfe.

Wann und für wen sind Trekkingstöcke sinnvoll?

Trekkingstöcke sind für alle Altersgruppen zu empfehlen. Sie helfen nicht nur bei bestehenden körperlichen Einschränkungen, sondern können bei jungen Wanderern präventiv eingesetzt werden. Vor allem, wenn viel Gewicht getragen werden muss, sei es das eigene Körpergewicht oder das zusätzliche am Rücken, entlasten Trekkingstöcke. Ich selbst nutze nicht für jede Tour Stöcke, da ich mich nicht gänzlich von ihnen abhängig machen und den Gleichgewichtssinn weiter schulen möchte. Doch sobald die Tour über 100 km lang ist und vor allem viele Höhenmeter dabei sind, geh ich nicht mehr ohne meine Stöcke los. Und auch wenn ich sie dabei habe, nutze ich sie nicht auf jedem Meter. Vor allem auf flachen Passagen und auf Asphalt halte ich sie entweder in einer Hand oder verstaue sie am Rucksack. Dasselbe mache ich auch wenn der Untergrund sehr steinig ist und ich sowieso bei jedem Schritt achtsam sein muss. Hier können sie Stöcke sogar zur Gefahr werden, wenn sie zum Beispiel zwischen den Felsen stecken bleiben. Mit der Zeit bekommt man ein gutes Gefühl dafür, wann der Einsatz sinnvoll ist. 

Trekkingstöcke Guide - Wanderer im Wald bergauf über Steine
Hier muss man aufpassen, dass die Stöcke nicht zwischen den Steinen stecken bleiben

Welches Material ist bei Trekkingstöcken sinnvoll?

Die meisten Stöcke werden entweder aus Aluminium oder aus Carbon gefertigt. Der Vorteil von Carbon liegt auf der Hand: Es ist leichter als Aluminium. Außerdem ist das Material steifer und vibriert beim Aufschlagen am Boden nicht wie Aluminium und braucht daher keine extra Federung. Bemängelt wurde bei Carbon vor allem die größere Bruchgefahr. Während sich Aluminium einfach verbiegt, kann Carbon schon bei kleinen Rissen brechen. Doch das hat sich anscheinend in den letzten Jahren deutlich gebessert. Ich habe dazu viel recherchiert und die meisten berichten, dass sie ihre Carbonstöcke schon einige Jahre in Gebrauch haben. Ich habe mich daher für das leichtere Material entschieden. 

Falt- oder Teleskopstöcke?

Ich selbst nutze Teleskopstöcke. Diese haben je zwei Verschlüsse, mit denen die Länge flexibel durch die drei einzelnen Rohre eingestellt werden kann. So kann ich sie auch mal anderen Personen leihen, die vielleicht eine ganze andere Länge als ich benötigen. Außerdem bin ich so beim Zelt- oder Tarpaufbau flexibel. Besonders gut finde ich, dass ich sie auf 68 cm kürzen kann und sie dadurch kaum Platz am Rucksack benötigen. 

Faltstöcke hingegen sind oft eine Spur leichter und schneller auf- und abgebaut. Es gibt auch welche, die man etwa 20 cm in der Länge verstellen kann. Das ist auch sinnvoll, da bei Steigungen und Gefälle unterschiedliche Längen gebraucht werden als auf Ebenen (Mehr dazu später im Artikel). 

Verschluss der Trekkingstöcke - Guide
Meine Stöcke kann ich ganz einfach in der Länge verstellen

Was gilt es beim Griff zu beachten?

Vor allem bei langen Touren sollte der Griff ergonomisch geformt sein, damit die Hände geschont werden. Es stehen drei Materialien zur Verfügung. Von hartem Kunststoff rate ich generell ab, da hier am ehesten Blasen an den Händen entstehen. Die anderen beiden Materialien Kork und EVA-Schaumstoff kann ich empfehlen. Kork ist ein Naturprodukt, was mir besonders gefällt, doch Schaumstoff wiederum hat die längere Haltbarkeit. Beide beugen Blasen vor und sind atmungsaktiv. 

Griffe der Trekkingstöcke - Guide
Ich bin mit meinen Griffen aus Schaumstoff sehr zufrieden

Wie nutzt man die Schlaufe am Trekkingstock korrekt?

Als ich die Stöcke zum ersten Mal in der Hand hatte, war mein Gedanke: “Oh super, die Schlaufen entferne ich noch, um Gewicht zu sparen.” Inzwischen weiß ich, die Schlaufen sind essentiell. Sie sorgen nicht nur für einen sicheren Halt der Stöcke in den Händen, auch kann nur mit ihnen die volle Kraft beim Abdrücken entfaltet werden.

Die Schlaufe am Griff kann verstellt werden. Sie sollte gut an der Hand liegen, aber nicht einschnüren. Ein häufiger Fehler bei der Nutzung der Schlaufe ist, mit der Hand von oben einzusteigen. Zum einen geht so Kraft verloren, zum anderen kann das bei einem Sturz zu einer Daumenverletzung, bis hin zum Bruch führen. Das liegt daran, dass der Daumen während der Sturzbewegung nicht gelöst werden kann. Beim Aufprall bleibt er am Stock hängen, während die restliche Hand zum Boden geht. Richtig ist es, die Hand von unten in die Schlaufe einzuführen. Der obere Teil der Schlaufe liegt schließlich zwischen der Hand und dem Griff. Das mag sich im ersten Moment falsch anfühlen, ist aber die richtige Technik. Im folgenden Schaubild habe ich das ganze Schritt für Schritt dokumentiert. 

Was ist die passende Länge des Trekkingstocks für mich?

Um die ungefähre Länge deiner Stöcke zu ermitteln, nutzt du die einfache Formel:

Stocklänge = Körpergröße in cm x 0,69

Da sich unsere Körper jedoch voneinander unterscheiden, kannst du die optimale Länge erst herausfinden, wenn du die Stöcke in der Hand hältst. Auf ebener Fläche sollen deine Arme 90 Grad gebeugt sein. 

Bergaufwärts wird der Stock bis zu 10 cm gekürzt und bergabwärts verlängert. Ich persönlich mache das nur, wenn es für längere Zeit bergauf oder bergab geht. 

Meine nachhaltige Empfehlung für einen guten Trekkingstock

Ich habe mich für einen Stock der Firma Komperdell entschieden. Ich habe nur Positives gehört und gelesen und fand vor allem den kostenlosen Reparaturservice unschlagbar. Man kann die Stöcke bis zu drei Jahre nach dem Kauf einschicken. Genial! Da sollten sich andere Firmen etwas abschauen. Was mich auch überzeugt hat: Die Stöcke werden alle in Österreich produziert. Deutschsprachiger Service inklusive. 

Ein weiterer großer Name ist die deutsche Firma Leki. Die Stöcke werden in Deutschland und Tschechien entwickelt und produziert. Auch hier spielt Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Es werden lange Zeit Ersatzteile angeboten und auch hier steht ein Reparaturservice zur Verfügung. 

Meine Stöcke

Komperdell C3 Carbon
Länge: bis zu 140 cm (fürs Zelt oder Tarp lässt er sich noch ein paar Zentimeter weiter herausfahren.)
Gewicht: 431 g (nachgewogen)
Griff: Schaumstoff
Teleskopstock, Packmaß: 68 cm 

Gut zu wissen

  1. Man kann unten einen sogenannten Teller montieren. Der liegt ein paar Zentimeter über der Spitze und sorgt z. B. bei Schnee dafür, dass man weniger einsinkt. Bei viel Geröll würde ich davon abraten, da man so eher mal irgendwo stecken bleibt. 
  2. Die Stöcke werden mit einer Gummikappe am unteren Ende geliefert. Diese unbedingt entfernen. Bei längeren Passagen auf Asphalt kann man sie wieder befestigen, damit die Abnutzung geringer wird und es nicht so laut klackert. Für mich muss das aber ein wirklich langer Abschnitt sein. Dafür bin ich sonst einfach zu faul. Meistens trage ich sie auf Asphalt sowieso in einer Hand. 
  3. Trekkingstöcke dürfen bei Flügen nicht ins Handgepäck. Sie gelten als potenzielle Waffe. Auch gefaltet oder eingefahren kann das zu Schwierigkeiten führen. Am besten erst gar nicht fliegen. 
Die Spitzen halten übrigens eine sehr lange Zeit

Ob mit oder ohne Stock: Viel Freude bei deiner nächster Tour!

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Als ich im Sommer 2020 einmal durch Deutschland gewandert bin, habe ich beschlossen, mich noch intensiver mit dem Thema Gehen zu beschäftigen. Über Wanderspirit möchte ich dich mit auf den Weg nehmen.

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