Fotografieren beim Wandern – Gedanken, Tipps und Ausrüstung

Fotografieren beim Wandern - Kamera

Fotografieren und Wandern gehören beide zu meinen Leidenschaften. Umso besser, dass ich sie so wunderbar vereinen kann. Bis auf wenige Ausnahmen habe ich sämtliche Fotos dieser Webseite während meiner Touren gemacht. Immer wieder bekomme ich Fragen zum Thema gestellt und habe mich nun dazu entschieden, meine Antworten in diesem Artikel zu teilen. 

Lenkt mich die Kamera nicht ab?

Diese Frage habe ich mir auch schon des Öfteren selbst gestellt. Eine klare Antwort habe ich dazu nicht. Einerseits habe ich das Gefühl, dass ich durch das Fotografieren beim Wandern eher aufmerksamer werde und meinen Blick für Details schärfe. Andererseits bin ich, sobald ich ein Foto mache, zweifellos mit der Kamera beschäftigt und zu einem gewissen Grad abgelenkt. Ich habe mich daher für den Mittelweg entschieden. Grundsätzlich habe ich meine Kamera dabei, natürlich auch mit dem Ziel, schöne Momente einzufangen. Ich liebe es, alte Fotos anzuschauen und in Erinnerungen zu schwelgen. Bilder können ein Gefühl oft viel besser wiedergeben als Worte. Doch manchmal lasse ich die Kamera ganz bewusst in der Tasche und genieße den Moment einfach nur für mich oder mit jemand anderem. 

Inspiriert hat mich dazu eine Szene aus “The Secret Life Of Walter Mitty”. Der Fotograf Sean O’Connell reist in den Himalaya, um unter anderem ein Foto von einem Schneeleoparden zu schießen. Doch als er ihn vor der Linse hat, zögert er. 


Walter Mitty:
Wann drückst du auf den Auslöser? 

Sean O’Connell:
Manchmal gar nicht. Wenn mir ein Moment gefällt, ich meine mir persönlich, dann will ich nicht, dass mich die Kamera irgendwie ablenkt. Dann will ich einfach nur darin verweilen. 

Walter Mitty:
Darin verweilen? 

Sean O’Connell:
Ja, so wie gerade. Hier und jetzt.

Der Fotograf hat die Chance, eines der schönsten Fotos seiner Karriere zu machen, doch entscheidet sich stattdessen dafür, den Moment voll und ganz zu genießen. Durch die bewusste Entscheidung, auf das Foto zu verzichten, kann ich besondere Momente noch intensiver wahrnehmen. Aus diesem Grund habe ich auch darauf verzichtet, als ich den Yeti zusammen mit Nessie und Bigfoot beim Kaffeekränzchen gesichtet habe. 

Welche Kamera nutzte ich?

Ich fotografiere mit der *Sony Alpha 6400, die 2019 auf den Markt kam. Das Gewicht von insgesamt 416 g, inklusive Akku und Speicherkarte, ist einfach genial, wenn man die Leistung berücksichtigt, die in dem kleinen Gerät steckt. Die Kamera liegt super in der Hand, der Autofokus ist unheimlich schnell und ich kann viel mehr einstellen, als ich überhaupt verstehe. Auch das neigbare Display überzeugt mich, womit ich mehr Perspektiven erreiche. Aber das hier soll keine technische Rezension werden. Ich bin vollends zufrieden mit der Kamera, insbesondere mit den Ergebnissen. 

Welche Objektive nutzte ich?

Zwei Objektive nehme ich mit auf meine Wanderungen. Zunächst das Standard-Zoom-Objektiv *Sony SELP1650 16-50mm f/3.5-5.6. Es ist mit 122 g ein absolutes Fliegengewicht und deckt ein breites Spektrum an Möglichkeiten ab. Bis vor kurzem war ich ausschließlich damit unterwegs.

Doch beim Fotografieren von Tieren bin ich damit an meine Grenzen gestoßen und habe aufgerüstet. Nach einer ausführlichen Recherche hat mich schließlich das *Sony E 70-350mm f/4.5-6.3 G OSS überzeugt. Und ich habe es keine Sekunde bereut. Obwohl ich für das Gewicht von 675 g meine ultraleichten Ansprüche etwas zurückschrauben musste. Doch die Freude am Fotografieren damit wiegt das wieder auf.

Die meiste Zeit habe ich das Teleobjektiv auf der Kamera, denn der Schneeleopard wird kaum warten, bis ich das Objektiv gewechselt habe. Das 16-50 mm Objektiv ist so klein, dass ich es praktischerweise in einer Jacken- oder Hosentasche mitführen kann.

Fotografieren beim Wandern - Rotkehlchen
Fotografiert mit dem Sony E 70-350mm f/4.5-6.3 G OSS

Wie transportiere ich meine Kamera?

Regel Nummer 1: Die Kamera muss einfach und schnell zu erreichen sein.

Ich nutze dafür einen *Kameragurt, mit dem ich die Kamera seitlich um den Hals lege. In Sekundenschnelle habe ich die Kamera in der Hand und muss nicht erst lange überlegen, ob es sich jetzt auch wirklich lohnt sie auszupacken. Ein weiterer Vorteil: Meine Kamera bringt mit Objektiv etwa ein Kilo auf die Waage. Das Gewicht kann ich mir so im Rucksack sparen und wird besser um den Körper verteilt.
Anfangs war ich skeptisch und hatte Sorgen, dass die Kamera beim Gehen zu instabil ist und nervig an den Körper schlägt. Das ist dank der einstellbaren Gurtlänge absolut nicht der Fall.

grüner Kameragurt für Wanderungen
Der Kameragurt schreit doch förmlich nach Abenteuer

Eine weitere clevere Lösung ist eine kleine *Halterung, die am Schultergurt des Rucksacks befestigt wird. Daran kann die Kamera einfach eingerastet werden. Gerade für leichte Kameras ist das sicherlich eine sehr komfortable Lösung, die ich selbst allerdings noch nicht ausprobiert habe.

Bearbeite ich meine Fotos?

Ja, ich nutze dafür *Lightroom von Adobe. Hier kann ich die Lichteinstellungen, Farben und weitere Details bearbeiten. Auch den Bildausschnitt passe ich gerne an. Ich möchte möglichst nah an die Realität kommen. Bei manchen Fotos sind es nur Details, die sich ändern. Andere wiederum sehen ohne diesen Feinschliff ziemlich leblos aus. 

Fotografieren beim Wandern - 2 Wanderer von hinten
vorher
Fotografieren beim Wandern - 2 Wanderer von hinten
nachher
vorher
nachher
Wanderer auf Pfad mit Stock
vorher
Fotografieren beim Wandern - Wanderer auf Pfad mit Stock
nachher

Eins ist jedenfalls sicher: Egal wie schön die Fotos am Ende werden – Die Realität wird immer um ein Vielfaches schöner bleiben. Manchmal sehe ich schon vor einer Wanderung einige Bilder der Tour. Doch es ist ein ganz anderes Gefühl, den Ort mit all meinen Sinnen selbst wahrzunehmen. Das schafft kein Foto und selbst bei Videos fehlen so viele entscheidende Elemente. Nichts kann die Realität ersetzen (vielleicht lache ich in 50 Jahren über diesen Satz).

Wie viele Akkus nehme ich auf meinen Touren mit?

Einen *Ersatzakku habe ich immer dabei, selbst auf einer Tagestour. Meistens benötige ich ihn nicht, aber so muss ich nicht ständig auf den Akkustand schielen. Bei Mehrtagestouren nehme ich einen oder zwei Akkus mit. Das kommt ganz darauf an, wo und wie lange ich unterwegs bin. Wenn ich regelmäßig an eine Steckdose komme, z. B. auf Campingplätzen, in Hütten oder in Restaurants, genügt ein weiterer Akku aus. 

Und das Positive an begrenztem Akku ist, dass ich ihn mir ganz bewusst einteilen muss und nicht 47 Mal dasselbe Motiv ablichte. 

Achtung: Hast du vor, viele Videos mit der Kamera zu drehen, steigt der Akkuverbrauch deutlich an. 

Wie viele Fotos mache ich auf meinen Touren?

Ganz unterschiedlich. Fotos entstehen bei mir völlig spontan. Manchmal sind es nur eine Handvoll am Tag, doch hin und wieder eskaliert es auch etwas. Eines rufe ich mir jedoch immer wieder ins Gedächtnis: Je weniger Fotos ich mache, desto weniger Aufwand habe ich danach mit Sortieren und Bearbeiten. 

Und nun wünsche ich dir viel Freude beim Knipsen. 

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Wanderspirit Patrick Fischer Wanderer


Hey hey!

Als ich im Sommer 2020 einmal durch Deutschland gewandert bin, habe ich beschlossen, mich noch intensiver mit dem Thema Gehen zu beschäftigen. Über Wanderspirit möchte ich dich mit auf den Weg nehmen.

Patrick


Veranstaltungen

18.04.23, 19 Uhr | Frankfurt a. M. 
Vortrag über ultraleichtes Weitwandern im Rahmen der Ausstellung »vorübergehend nicht erreichbar«