Nachteile des Trekkings – Meine persönlichen Schattenseiten

Nachteile des Trekkings, Gewitter gehören dazu

Wenn man sich all die Outdoor-Blogs und Instagram-Seiten von Wanderern anschaut, könnte man meinen, auf Trekking-Touren gibt es nur Sonnenschein und pure Glückseligkeit. Um kein verzerrtes Bild abzugeben und die Erwartungen bei neuen Wanderern nicht durch die Decke schießen zu lassen, möchte ich ganz offen über die Nachteile des Trekkings schreiben. Hier 10 Aspekte, auf die ich auch gut verzichten könnte.

1. Naturgewalten

Ich glaube meine größte Angst bei mehrtägigen Touren sind umstürzende Bäume. Nicht wenn ich laufe, sondern hilflos im Zelt liege. Wenn stürmisches Wetter angesagt ist, meide ich Wälder. Zusätzlich schaue ich mir jeden Baum in unmittelbarer Nähe genau an. Ich mache mir dazu vergleichsweise viele Gedanken. Wahrscheinlich auch weil bei uns in der Gegend einmal ein Junge im Zelt von einem Baum erschlagen wurde. Seitdem begleitet mich dieser unschöne Gedanke. 

Eine weitere Gefahr sind Gewitter. Wenn diese angesagt sind, sollte man nicht draußen schlafen, doch es lässt sich nicht immer vermeiden. Auch hier gibt es gewisse Schutzmaßnahmen, die man in solch einem Fall treffen kann, doch diese dienen eher zur Beruhigung. Im Prinzip ist man der Natur ausgeliefert. 

2. Wildcampen

In Deutschland und den meisten europäischen Ländern ist Wildcampen verboten. Ich mache es dennoch und muss folglich mit den Konsequenzen rechnen, wenn ich erwischt werde. Nach hunderten Nächten wurde ich bisher nur einmal von einer Besitzerin einer Apfelplantage gefunden, als ich es mir zwischen den Bäumen bequem gemacht hatte. Ich durfte zum Glück bleiben. Dank einer Mischung aus Intuition, Erfahrung und Glück war es nur diese eine Begegnung bisher. Doch die Gedanken sind ein Dauerbegleiter. Was, wenn mich mal ein Jäger oder Förster auffindet? Es sind nicht die möglichen Strafen, die mich beunruhigen. Eher die womöglich unangenehme Begegnung und das aufwändige Zusammenräumen und nachts Loslaufen, um einen anderen Platz zu finden. 

3. Gefährliche Tiere

Auf einer Trekkingtour durch Israel haben wir eines Abends undefinierbare Tiergeräusche ganz in der Nähe gehört, die uns ordentlich Angst eingejagt haben. Sonst hatte ich bisher keine Begegnung mit gefährlichen Tieren. Mit Ausnahme von Zecken. Diese haben mich auf meiner Wanderung durch Deutschland ganz schön auf Trab gehalten. Zwischenzeitlich hatte ich sogar meine Freude am Wandern verloren, da ich mir bei jedem Gang durch hohes Gras Sorgen gemacht habe. Über meine Erfahrungen mit Zecken, inklusive wertvoller Tipps, habe ich hier geschrieben. 

Grundsätzlich sind gefährliche Tiere ein Thema, das sehr abhängig vom Ort ist. Doch etwas das man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Ein kleines Pferd steht auf der Weide und schaut in die Kamera
Vor ihm musste ich keine Angst haben

4. Genug Essen

Das ist ein sehr persönliches Problem. Ich muss im Alltag schon relativ viel essen, um mein Gewicht zu halten. Was für viele wie der absolute Traum klingt, ist ganz schön anstrengend. Beim Trekking ist der Energiebedarf noch einmal um ein Vielfaches höher. Dementsprechend schaufel ist ordentlich Essen in mich hinein und muss mehr Proviant mit mir mitschleppen. Nach einer langen Wanderung habe ich meist ein paar Kilo verloren und muss sie mir anschließend wieder mühsam anfuttern.

Nachteile des Trekkings: Ich muss sehr viel essen
Unterwegs könnte ich pausenlos essen

5. Wassermangel

Gerade bei Hitze kann es zur Herausforderung werden, immer genug Wasser dabei zu haben. Brunnen und Bäche sind meist trocken und selbst in Deutschland gibt es Wanderwege, auf denen man viele Kilometer an keinem Haus vorbeikommt. Schneller als viele denken, dehydriert der Körper, was lebensgefährlich werden kann. Einen Artikel dazu, wo ich Wasser auffülle und wie ich es transportiere, findest du hier.

6. Toilettengang 

Auch wenn ich beim Geschäft im Wald inzwischen eine gewissen Routine bekommen habe, ist es doch nichts, was ich gerne mache. Meistens drückt es sowieso plötzlich in ungünstigen Gegenden und dann noch einen passenden Platz zu finden, ist alles andere als einfach. Durch das viele Essen und die Anstrengung muss ich auch häufiger auf Toilette. Alles was du zum Freiluftgeschäft wissen musst, findest du hier.

7. Verletzungsgefahr

Es sind vor allem die schleichenden Verletzungen, die nach weiten Strecken drohen. Immer wieder hatte ich zum Beispiel mit einer Sehnenverletzung am Fuß zu kämpfen, über die viele Fernwanderer klagen. Eine weitere typische Problematik sind Knieprobleme, die vor allem beim Bergablaufen entstehen. Hier können Wanderstöcke für eine Entlastung sorgen. Um meinen Rücken muss ich mir immerhin keine Sorgen machen, da ich mit einer sehr leichten Ausrüstung unterwegs bin.

Kritisch wird es, sich in der Wildnis zu verletzen, während man allein unterwegs ist. Zum Beispiel, indem man umknickt und sich schwer am Knöchel verletzt. Daher empfehle ich, immer jemandem bescheid geben, wo du gerade unterwegs bist. 

Über einen Absturz an einem Höhenweg möchte ich gar nicht nachdenken, ist aber leider eine reale Gefahr. Hier ist es wichtig, seine Grenzen zu kennen. 

8. Ungemütliche Nächte

In den ersten Nächten im Zelt während einer Tour muss ich mich erst wieder an alles gewöhnen. Dann brauche ich meistens deutlich länger zum Einschlafen und werde gefühlt alle fünf Minuten wach und muss mich drehen. Das legt sich zum Glück nach einigen Tagen und irgendwann schlafe ich wie ein Stein. 

Auch sonst habe ich schon Nächte erlebt, in denen ich den Morgen nur so herbeigesehnt habe. Wenn es zum Beispiel nachts nicht abkühlt und Schlafsack und Isomatte an mir kleben, wenn das Zelt aus Mangel an Alternativen Schräglage hat oder wenn es draußen einfach zu laut ist. In Israel haben sich ganz in der Nähe plötzlich Jugendliche zum Feiern getroffen. Im Nachhinein hätten wir mal besser mitgefeiert. 

9. Dauerregen

Ich habe nichts dagegen, wenn es während der Wanderung regnet. Im Gegenteil, ich kann es inzwischen sogar genießen. Meine Gedanken dazu habe ich hier festgehalten. Aber mehrere Tage bei strömendem Regen unterwegs zu sein, macht irgendwann einfach keinen Spaß mehr. Und doch lässt es sich nicht vermeiden. Dann ist eine gute Ausrüstung entscheidend, damit die Laune nicht komplett in den Keller rutscht. Und niemand will nachts in einen nassen Schlafsack schlüpfen.

Ein Mann im Poncho wandert im Regen. Das gehört zu den Nachteilen des Trekkings
Ein Poncho ist eine von vielen Möglichkeiten, sich vor der Nässe zu schützen

10. Beanspruchte Füße

Wie müssen mich meine Füße schon verflucht haben. Die Dauerbelastung über mehrere Tage oder gar Wochen geht nicht spurlos an den Füßen vorbei. Mit meinen *Barfußschuhen habe ich zum Glück kaum Probleme mit Blasen. Doch gerade bei Hitze sind sie schon ordentlich angeschwollen und hier und da kämpfe ich mit rissigen Stellen, wenn sich Hornhaut gebildet hat und die Füße zu trocken werden.

Ein Fußbad in einem roten Eimer
Das Fußbad war ein Segen für meine Füße

Schrecklich diese Wanderungen! Nein, natürlich nicht. Trotz aller Widrigkeiten gehört Trekking für mich zum Schönsten überhaupt. Und das will nach all den Punkten etwas heißen. Es hat sicherlich seinen Preis, aber die schönen Seiten des Trekkings sind mehr als nur eine Entschädigung. Und ich kann es kaum abwarten, meine geschundenen Füße nach einem anstrengenden Tag wieder in einen kühlen Bach zu halten und dabei die berauschende Natur um mich herum zu genießen. 

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Wanderspirit Patrick Fischer Wanderer


Hey hey!

Als ich im Sommer 2020 einmal durch Deutschland gewandert bin, habe ich beschlossen, mich noch intensiver mit dem Thema Gehen zu beschäftigen. Über Wanderspirit möchte ich dich mit auf den Weg nehmen.

Patrick


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