Smartphone Detox – Nutze eine Wanderung dafür

Smartphone Detox auf einer Wanderung ist sinnvoll

Wir und das Smartphone. Das ist schon eine besondere Beziehung. Nichts hat uns jemals so abhängig gemacht wie dieses kleine Gerät. 2019 haben Smartphonenutzer täglich stolze 3,6 Stunden am Smartphone verbracht. 89% der Erwachsenen in Deutschland besitzen ein Smartphone. Soweit so gut. Doch bei den nächsten Statistiken sollten spätestens die Alarmglocken läuten. Mehr als die Hälfte der Nutzer zwischen 18 und 24 Jahren schaut mindestens einmal pro Stunde auf Whatsapp. 38% der Deutschen schätzen ihre Smartphonenutzung als zu hoch ein. Bei den 18-24-jährigen sind es sogar sage und schreibe 63%. Ein eindeutiges Suchtzeichen. Doch es zeigt auch, dass ein Bewusstsein für die zu hohe Nutzung vorhanden ist.

Was tun? Es gibt einige simple Maßnahmen, wie Benachrichtigungen ausstellen, in den Flugmodus gehen, zeitfressende Apps löschen oder das Smartphone in ein anderes Zimmer legen, damit es aus unserem Sichtfeld ist. Und dann gibt es den bewussten Verzicht auf bestimmte Zeit. Oder wie man heute so schön sagt: “Digital Detox”. Auch du hast bestimmt schon darüber nachgedacht oder es sogar getan. Ich selbst war an einem Punkt angelangt, an dem die Nutzung überhandgenommen hatte. 

Die radikale Entscheidung

Folglich habe auf meiner dreimonatigen Wanderung durch Deutschland mein Smartphone zu Hause gelassen. Und es war einer der besten Entscheidungen in meinem Leben. Welchen Stellenwert unser Smartphone hat, haben mir die Reaktionen auf die Entscheidung gezeigt.
Es war meistens nach folgendem Schema:

Ich: “Ich laufe durch Deutschland”
Andere: “Oh wow, krass!”
Ich: “Und ich lasse mein Smartphone zu Hause” 
Andere: “Waaaaaaas? Bist du verrückt?”

Die zweite Aussage hat im Schnitt deutlich stärkere Reaktionen ausgelöst. Das ist die wahre Verrücktheit und nicht, dass ich auf etwas verzichte, dass es vor einigen Jahren noch gar nicht gab. 

Wie hat sich der Smartphone Detox auf der Wanderung angefühlt?

Ich hatte mich auf einen kalten Entzug eingestellt. Den hätte ich im Alltag sehr wahrscheinlich auch erlebt (Meine Hände wurden bei den letzten beiden Sätzen plötzlich nass). Doch auf der Wanderung erlebte ich nichts in diese Richtung. Es war eine neue Situation, eine neue Umgebung. Und genau dann fällt es uns deutlich leichter, neue Gewohnheiten anzunehmen oder wie in diesem Fall alte Gewohnheiten abzulegen. Gewohnheiten sind häufig mit bestimmten Orten verknüpft. So nahm ich zum Beispiel ganz automatisch mein Smartphone in die Hand, als ich mich auf meinen Sessel gesetzt hatte. Auf der Reise war alles neu. All die Eindrücke in den ersten Tagen haben mich auch überhaupt nicht an das Smartphone denken lassen. Ich war viel zu beschäftigt damit, das Erlebte zu verarbeiten. Sicherlich hat es auch geholfen, dass ich in den ersten fünf Tagen nicht allein unterwegs war. Ich hatte immer jemand an meiner Seite, mit dem ich mich austauschen konnte. Doch auch danach hab ich selten an mein Smartphone gedacht. 

Was hat der Verzicht mit mir angestellt? Nie zuvor war ich so entspannt, wie während dieser Zeit. Ich wurde nicht abgelenkt und habe voll im Hier und Jetzt gelebt. Ja, es gab auch Situationen in denen mir ein Smartphone geholfen hätte. Ich wäre z. B. nicht 20 km in die falsche Richtung gelaufen. Das Smartphone ist sicherlich auch ein mächtiges Werkzeug, das einem das Leben leichter machen kann. Doch der Preis dafür war mir persönlich zu hoch. Man lernt zudem wieder kreativ zu sein. Nach Lösungen zu suchen ohne gleich danach zu googlen. 

Ein wunderbarer Nebeneffekt war, dass ich viel häufiger Menschen angesprochen habe. Wo ist der nächste Supermarkt? Wie wird das Wetter in den kommenden Tagen? Kannst du ein Restaurant empfehlen? Wann kommt der nächste Ort? Menschen lieben es zu helfen. Es sind spannende Gespräche mit tollen Menschen entstanden, an denen ich einfach nur vorbei gelaufen wäre, hätte ich Google gefragt. Auch habe ich mir etwas Gewicht gespart. So ein Smartphone bringt ja inzwischen doch etwas auf die Waage. Und ein Akkupack hätte ich auch mitgeschleppt. Und den Gedanken, immer Strom zu finden ebenso. 

Das Holzhandy

Ganz ohne Telefon wollte ich dann aber doch nicht loslaufen. Gerade wenn man allein wandert, kann das in Notfallsituationen den Unterschied machen. Irgendjemand in deinem Bekanntenkreis hat sicherlich noch ein altes Handy rumliegen, das du dir leihen kannst. Mit meinem “Holzhandy”, wie es ein Wanderfreund liebevoll genannt hat, habe ich hin und wieder bei Freunden und der Familie angerufen. Die Freude darüber, dass man sich die Zeit und nimmt die ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt, war oft riesig. Das ist doch viel mehr wert, als nur ein paar Sätze und ein paar Bilder über Whatsapp zu senden.

Und jetzt bist du dran! Überzeuge dich, dass Smartphone Detox auf einer Wanderung eine Wohltat für dich ist.

Quellen zu den Statistiken: 

https://www.appannie.com/de/insights/market-data/state-of-mobile-2020-rankings/

https://www2.deloitte.com/de/de/pages/technology-media-and-telecommunications/articles/smartphone-nutzung-2020.html

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Wanderspirit Patrick Fischer Wanderer


Hey hey!

Als ich im Sommer 2020 einmal durch Deutschland gewandert bin, habe ich beschlossen, mich noch intensiver mit dem Thema Gehen zu beschäftigen. Über Wanderspirit möchte ich dich mit auf den Weg nehmen.

Patrick


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