4 Lektionen auf meiner Wanderung durch Deutschland

Auf meiner Wanderung durch Deutschland habe ich einige Lektionen erteilt bekommen. Die wertvollsten vier teile ich in diesem Artikel mit dir. 

1. Ob gut oder schlecht, wer weiß das schon

Als ich eines Morgen los lief, waren es noch 20 km bis nach Siegen. Am Nachmittag fragte ich in einem Dorf wie weit es noch in die Stadt ist. Ich musste schon über 15 km gelaufen sein und es sah mir noch zu ländlich aus. Sie musste überlegen. Da wusste ich es bereits. Ich war falsch gelaufen. Tatsächlich war ich jetzt fast 40 km entfernt. Mein absoluter Rekord im Verlaufen. Ich schmiss *meine Mütze auf den Boden und war in Rage. Wie kann man so blöd sein? Doch was dann passierte, war magisch. 

Zunächst wurde ich von zwei Frauen eingeladen, mich zu ihnen in den Garten zu setzen. Sie brachten frisches Obst und kühles Wasser. Als ich zur Bushaltestelle lief, fragte mich ein Autofahrer, ob er mich irgendwo hin fahren konnte. Er fuhr mich an die Stelle, wo ich morgens los bin. Dort durfte ich nach einem netten Gespräch mit einer Frau in einem paradiesischen Garten schlafen und bekam die besten Tomaten der Welt geschenkt. Am nächsten Tag lernte ich in Siegen tolle Menschen kennen und verbrachte einen unvergesslichen Abend mit ihnen. 

All das wäre nicht passiert, hätte ich mich nicht verlaufen.

2. Wertschätzung und Genuss durch Verzicht

Auf der Wanderung durch Deutschland habe ich auf so einige Annehmlichkeiten verzichtet. Eine meiner täglichen Hauptaufgaben war die Suche nach Wasser. Ich hatte nur selten Zugang zu einem Wasserhahn. Auch eine Toilette war immer ein Highlight. Und von einer Dusche muss ich erst garnicht anfangen. Wenn ich dann doch mal in den Genuss kam, war es immer etwas Besonderes und löste Glücksgefühle aus. Dasselbe wenn ich nach vielen Nächten im Zelt wieder in einem Bett schlafen konnte. Und die Freude über das eigene Bett nach längerer Abwesenheit kennt wohl jeder. 

Ein weiteres Beispiel dafür, was ein Verzicht auslösen kann, erlebte ich in Frankfurt. Einen Monat hatte ich keine Musik mehr gehört, da ich ohne Smartphone unterwegs war. Von Weitem hörte ich schon einen Straßenmusiker, der auf einem Vibraphon moderne Lieder spielte. Andere Passanten waren auch sichtlich begeistert, doch ich wurde völlig in den Bann der Melodie gezogen. Ich stand eine halbe Stunde da und hatte ununterbrochen Gänsehaut. Ich war durch meinen Verzicht unglaublich sensibel für wohlklingende Töne geworden. 

Auch in anderen Bereichen steigerte ich meine Wertschätzung und konnte vermeintlich einfache Dinge wieder genießen.

3. Vorurteile sind überall

Deutschland muss voller unfreundlicher Menschen sein. Egal, wo ich war, wurde ich vor den Menschen gewarnt auf die ich bald treffen würde. Im Kraichgau warnten sie mich vor den Hessen. Sie seien lange nicht so herzlich wie sie selbst. Im Siegerland wurde ich vor den Ostwestfalen gewarnt. Und vor den Menschen im Norden sollte ich mich sowieso in Acht nehmen. Sie seien halt einfach deutlich kühler. Anfangs nahm ich die Hinweise noch Ernst. Doch ich traf überall auf freundliche Menschen und schmunzelte bald nur noch bei solchen Bemerkungen. 

Doch ich erwischte mich unterwegs immer wieder selbst dabei, vorzeitig zu urteilen. Es passiert uns allen. Ab sofort versuche ich, meine allzu schnellen Urteile oder Gedanken über etwas oder jemanden zu hinterfragen. 

4. Glück ist nur echt, wenn man es teilt

Die meiste Zeit war ich allein unterwegs. Das war eine wertvolle Erfahrung und ich habe diese Zeit gebraucht. Doch mit jedem weiteren Tag wurde mir bewusster, welchen Stellenwert andere Menschen haben. Man nimmt sein Umfeld oft als selbstverständlich wahr. Doch das ist es nicht. Und ich möchte ehrlich sein: Es war schön sich den Sonnenuntergang nach einem anstrengenden Tag anzuschauen. Doch solche Momente sind geteilt so viel mehr Wert. 

Auch hätte ich die Wanderung durch Deutschland allein nicht geschafft. Unzählige Menschen haben mir unterwegs geholfen. Sei es mit Wasser, mit der Orientierung, mit einer Unterkunft oder einfach nur mit einem guten Gespräch, das mir neuen Mut gemacht hat. Der Mensch ist ein Herdentier und ich werde meine Herde in Zukunft mehr wertschätzen und das Miteinander mehr pflegen. 

Vielleicht haben dich die Punkte zum Nachdenken angeregt. Damit sich die Lektionen besser in deinem Unterbewusstsein verankern, musst du die Erfahrungen selbst machen. Und wer weiß welche ganz individuellen Lektionen der Weg für dich bereit hält. Also raus aus der Komfortzone und finde es heraus! 

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Wanderspirit Patrick Fischer Wanderer


Hey hey!

Als ich im Sommer 2020 einmal durch Deutschland gewandert bin, habe ich beschlossen, mich noch intensiver mit dem Thema Gehen zu beschäftigen. Über Wanderspirit möchte ich dich mit auf den Weg nehmen.

Patrick


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